Wie Handelsabkommen Lieferketten und Logistik vereinfachen

 

Ob Maschinenbau, Automobilindustrie oder Chemie – Deutschlands Exportwirtschaft ist auf reibungslosen internationalen Handel angewiesen. Handelsabkommen sichern genau das: geringere Zölle, bessere Planbarkeit und schnellere Logistik. Doch nicht alle Abkommen sind unproblematisch.

Deutschland zählt weltweit zu den führenden Exportnationen – kein Wunder, denn die Exportquote liegt bei fast 50 % des Bruttoinlandsprodukts. Zu den wichtigsten Ausfuhrgütern gehören Fahrzeuge und Fahrzeugteile, aber auch der Maschinenbau sowie die chemische Industrie exportieren erfolgreich in alle Welt.

 

Gleichzeitig ist Deutschland in hohem Maße auf Importe angewiesen. Zahlreiche Lebensmittel sowie Komponenten für den Maschinenbau stammen aus dem Ausland. Wichtigster Handelspartner – unter Einbeziehung von Importen und Exporten – waren im vergangenen Jahr die USA. Angesichts der aktuell angespannten Lage im internationalen Handel wird deutlich: Um wirtschaftliche Stabilität und langfristige Planungssicherheit zu gewährleisten, braucht es verlässliche Handelsabkommen mit den wichtigsten Partnern.

Handelsabkommen sind essenziell für den internationalen Handel

 

Durch Handelsabkommen werden verbindliche Rahmenbedingungen für den Austausch von Waren und Dienstleistungen zwischen Handelspartnern und verschiedenen Ländern festgelegt. In den meisten Fällen resultiert daraus die Reduzierung von Handelsbarrieren und Zöllen, um den Import und Export von Gütern langfristig zu erleichtern und den Handel zu fördern. Unternehmen mit Sitz in den Ländern, die im Handelsabkommen berücksichtigt werden, profitieren also von geringeren Logistikkosten und einer einfacheren und schnelleren Abwicklung. Die Erleichterung der logistischen Prozesse reduziert außerdem das Risiko von Lieferverzögerungen und verbessert die Wettbewerbsfähigkeit von Unternehmen aus den Partnerländern auf ihrem jeweiligen Zielmarkt.

 

Einheitliche Regeln, die in Handelsabkommen festgelegt werden, haben aber noch einen weiteren Vorteil. Sie legen zum Beispiel auch Produktionsvorschriften oder Ursprungsregeln fest und geben Unternehmen rechtliche Sicherheit. Wissen diese, unter welchen Voraussetzungen sie mit Partnern in bestimmten Ländern handeln können und dürfen, gibt ihnen das außerdem für viele Jahre eine Planungssicherheit. Ein weiterer Vorteil ist die jahrelange Planungssicherheit, sobald Handelsländer der Partner festgelegt wurden.

 

Die wichtigsten Handelsabkommen der EU im Blick

 

Zunächst einmal profitiert Deutschland als EU-Mitglied vom freien Handel innerhalb der Europäischen Union. Hier fallen keine Zölle oder andere Handelshemmnisse an. Außerhalb der EU sorgen jedoch weitere Abkommen mit Drittstaaten für vereinfachte Handelsbedingungen:

 

CETA – EU und Kanada:

 

Das Freihandelsabkommen zwischen der EU und Kanada ist teilweise bereits seit 2017 in Kraft. Es sorgt dafür, dass knapp 98 Prozent der Zölle zwischen beiden Ländern wegfallen und entlastet viele Unternehmen dadurch enorm. Außerdem sollen Bestimmungen zum Investitionsschutz und zur Beilegung von Investitionsstreitigkeiten eingeführt werden.

 

JEFTA – EU & Japan:

 

Seit dem 1. Februar 2019 gilt das JEFTA Handelsabkommen und sorgt dafür, dass mittlerweile über 90 Prozent der japanischen Zölle auf Importprodukte aus der EU abgebaut wurden. Auch auf die Öffnung des japanischen Marktes für Dienstleistungen hat das Handelsabkommen Auswirkungen und es ermöglicht EU-Unternehmen, leichter an öffentlichen Ausschreibungen in Japan teilzunehmen.

 

Mercosur Abkommen – EU & Mercosur Südamerika:

 

Mercosur, oder “Mercado Común del Sur” ist eine Wirtschaftsorganisation in Südamerika, bestehend aus den Gründungsmitgliedern Brasilien, Argentinien, Paraguay und Uruguay sowie Bolivien. Bereits seit über 20 Jahren verhandeln die EU und Mercosur über ein Freihandelsabkommen, mit aktuellen Entwicklungen: Bundeskanzler Friedrich Merz sieht die Verhandlungen kurz vor dem Abschluss, für Frankreichs Präsident Macron fehlen aktuell noch wichtige Regelungen im Bereich (klimafreundlicher) Landwirtschaft. Ziel des Abkommens ist vor allem die Förderung des Handels mit Agrarprodukten, Rohstoffen, Chemikalien und der Automobilindustrie.

 

Weitere Abkommen mit Südkorea, Singapur, Vietnam etc.:

 

Auch mit einzelnen weiteren Ländern hat die EU Handelsabkommen, so zum Beispiel mit Südkorea. Dieses Abkommen ist seit 2011 in Kraft und eine echte Erfolgsgeschichte: Denn in den vergangenen zehn Jahren lag das Handelswachstum zwischen beiden Parteien bei über 50 %. Das Abkommen beinhaltet unter anderem die weitgehende Abschaffung von Zöllen für Ursprungswaren sowie leichteren Zugang von Dienstleistungen und Investitionen in den jeweiligen Märkten. Ein Freihandelsabkommen mit Singapur (EUSFTA) verbessert seit 2019 den Handel mit wichtigen Gütern wie Elektronik, Lebensmitteln und Arzneimitteln und das EU Abkommen mit Vietnam beseitigt seit 2020 alle Zölle des bilateralen Handels.

Wie deutsche Unternehmen von Freihandelsabkommen profitieren

 


Hat ein deutsches Unternehmen bereits vor dem Inkrafttreten eines Handelsabkommens Waren in ein anderes Land, wie zum Beispiel Japan, geliefert, fielen für jede Lieferung hohe Zölle an. Aufwändige technische Zulassungsverfahren mussten durchgeführt werden, die sich teilweise deutlich von denen in Deutschland unterschieden. Mit der Einführung von JEFTA 2019 entfielen die meisten Zölle. Mit ihnen wurden ebenfalls die technischen Standards vereinfacht. Zusätzlich sind Prozesse digitaler geworden und auch die vereinfachten Ursprungsregeln eröffnen weitere Zollvorteile – eine großer logistischer Vorteil, der sich auch in der Lieferzeit der Ware an die KundInnen niederschlägt. Das Handelsabkommen spart dem Unternehmen in unserem Fall also nicht nur viel Zeit, Aufwand und Kosten, sondern stärkt ihre Wettbewerbsfähigkeit zudem auf einem breiten Absatzmarkt.


Warum ein Freihandelsabkommen auch Nachteile haben kann

 


Neben den logistischen und preislichen Vorteilen für Unternehmen gibt es allerdings auch Aspekte, die viele Handelsabkommen – wie aktuell das mit Mecosur – umstritten machen. Es besteht beispielsweise die Gefahr, dass Umweltauflagen, Arbeitsrechte oder Sozialstandards verwässert werden. Das Mercosur-Abkommen etwa könnte indirekt die weitere Abholzung des Amazonas-Regenwaldes begünstigen, da es neue Anreize zum Export von Rindfleisch- und Soja nach Europa schafft. Zudem kann der zusätzliche Wettbewerb mit internationalen HändlerInnen kleinere, lokale Unternehmen überfordern und gegebenenfalls vom Markt verdrängen.

 


Was Handelsabkommen für Logistikunternehmen bedeuten 

 


Logistikunternehmen profitieren in erster Linie von den Vorteilen internationaler Handelsabkommen – etwa durch reduzierte Bürokratie, vereinfachte Zollabwicklung und dadurch beschleunigte sowie effizientere Warenlieferungen. Gleichzeitig erfordern die Vielzahl und Komplexität der Abkommen jedoch ein hohes Maß an aktuellem Fachwissen: Unternehmen müssen stets über geltende Regelungen informiert sein und diese kontinuierlich in ihre Prozess- und Ablaufplanung integrieren.

 

Abkommen bieten Planbarkeit auch bei globalen Unsicherheiten

 


Handelsabkommen sind ein strategischer Schlüssel für den globalen Handel und
tragen  zum internationalen Erfolg von Unternehmen bei. Sind sie klug ausgehandelt und achten wichtige Aspekte wie soziale und ökologische Standards, bieten sie erhebliche Vorteile für die jeweiligen teilnehmenden Parteien. Reduzierte Kosten, digitalere und beschleunigte Prozesse sowie höhere Marktchancen sind klare Argumente für internationale Freihandelsabkommen. Und sie sichern diese Handelsbedingungen für längere Zeit ab – das bedeutet Planbarkeit, insbesondere in einem globalen Umfeld, welches immer wieder von Unsicherheiten geprägt ist. 

Bei IBS Logistics gehören Themen wie der Brexit, internationale Handelsabkommen und globale Handelsbestimmungen zum Tagesgeschäft. Dank unseres weltweiten Netzwerks langjähriger Logistikpartner sowie einer eigenen Zollabteilung verfügen wir über umfassende Expertise im internationalen Warenverkehr. Auf Wunsch übernehmen wir für unsere Kundinnen und Kunden die vollständige administrative Abwicklung von Fracht- und Zolldokumenten – zuverlässig, effizient und über Sprach- sowie Ländergrenzen hinweg.